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Rezension:

Traumgekrönt

Debüt-CD von Hanna-Elisabeth Müller als Liedsängerin

Penzberg, 16. Juni 2017

(aktualisiert 8. Sep. 2017)

 

Einen Namen hat sich Hanna-Elisabeth Müller (geb. 1985) schon in jungen Jahren als aufsteigender Stern am Opernhimmel gemacht. Regelmäßig erntet sie an der Bayerischen Staatsoper begeisterten Applaus und hat auch schon im Salzburger Festspielhaus, an der Metropolitan Opera New York und an der Mailänder Scala umjubelte Erfolge gefeiert. Doch ihre neu erschienene Debüt-CD ist eine Liebeserklärung an die Liedkunst und, wie sie selbst sagt, eine Herzensangelegenheit.

Ein hochinteressantes Interview im Begleitheft zeigt auf, dass der Liedgesang der Schwerpunkt ihres Studiums war und die Grundlagen ihrer soliden Technik und vielseitigen Gesangskunst legte. Wie man aus den in 2015 vom SWR ausgestahlten Porträtsendungen weiß, beschäftigt sich die selbstkritische und nichts dem Zufall überlassende Künstlerin schon länger mit dem Projekt ihrer Debüt-CD. Nun hat sie zusammen mit ihrer feinfühligen Pianistin Juliane Ruf ein Repertoire aufgenommen, das sie schon seit Jahren bei Liederabenden darbietet und das dabei im Kontakt mit dem Publikum gereift ist. Dabei wird sie ihrer Maxime, Text und Melodie gleichwertig zu betrachten und zu einem stimmigen Ganzen zusammenzuführen, in idealer Weise gerecht.

In 75 min Spieldauer werden frühe Liederzyklen von Arnold Schönberg und Alban Berg in Strauss'sche Lieder mit Texten über Blumen eingebettet. Die CD beginnt mit den "Mädchenblumen" op. 22 von Richard Stauss. Mit diesem Zyklus, in dem Blumen mit unterschiedlichen Wesensarten von Mädchen verglichen werden, gibt sie mit klar geführten Melodiebögen ein musikalisches Selbstporträt. Mit der Warmherzigkeit der Kornblumen gelingt ihr etwa als Zdenka in Arabella von Richard Strauss das bewegende Rollenportrait eines sich liebevoll aufopfernden Mädchens. Wie die Mohnblume mit Temperament und Ausstrahlung erlebt man sie redegewandt und schlagfertig in Talks und Interviews. Das Efeu steht für die Treue, die sie z.B. seit Jahren ihrer zuverlässigen Klavierpartnerin Juliane Ruf hält und die in dieser CD schönste Früchte trägt. Und schließlich umgibt sie ebenso wie die Wasserrose ein Geheimnis: Wie kann es sein, dass sie glaubhaft versichert: "meine Stärke ist, dass ich ganz normal bin" und dann mit jedem Projekt Herausragendes leistet und das Publikum verzaubert und begeistert? "Wie sie singt, ist ein Wunder", sagte zu mir Přemysl Vojta, erster Preisträger beim ARD-Musikwettbewerb 2010. Er war Solohornist des WDR-Symphonieorchesters, als sie "Vier letzte Lieder" von Richard Strauss sang.

Mit "Georgine" und "Die Zeitlose" folgen zwei Lieder über Freude und Schmerz einer späten Liebe, denen das bestens aufeinander eingespielte Liedduo mit ausdrucksvollen Spannungsbögen gerecht wird. Einen wesentlichen Schwerpunkt des Programms bilden dann die vier Lieder von Arnold Schönberg op. 2. Diese sind noch im spätromantischen Klanggewand gehalten und werden von Hanna-Elisabeth Müller mit der Klarheit gestaltet, die sich Schönberg gewünscht und später mit seiner Zwölftontechtnik auch ganz offensiv gesucht hat. Unübertrefflich sauber intoniert und artikuliert sie und formt Bögen, die leise ansetzen und sich mit einer Energie aufladen, die den Zuhörer unmittelbar fesselt. Sehr schön wird dies von Juliane Ruf mitgetragen, die sich als gleichwertige Klavierpartnerin einbringt. So entsteht eine eindringliche Wirkung, der man sich nicht entziehen kann.

Als Intermezzo folgen vier Blumenminiaturen und "Waldseligkeit" von Richard Strauss. Hierbei bezaubert Hanna-Elisabeth Müller mit lyrischen Tönen und einer durchweg gelungenen Synthese von Text- und Melodiefluss. Wenn sie besondere Ruhe ausdrücken will, nimmt sie ihr ebenmäßiges Vibrato weit zurück, ohne dabei ihr feines, helles Timbre zu verlieren. Sie gestaltet auch bei den leisen Tönen mit einer großen dynamischen Bandbreite und behält die volle Strahlkraft ihrer Stimme ausgewählten Höhepunkten vor. So entstehen wunderbare Melodiebögen, die unmittelbar ins Herz sprechen.

Es folgt eine ausdrucksstarke Interpretation der "Sieben frühen Lieder" von Alban Berg. Hanna-Elisabeth Müller hat den Albumtitel diesem Zyklus entnommen und damit gezeigt, dass ihr diese Musik ein ganz besonderes Anliegen ist. Gegenüber der Orchesterfassung, die sie auch schon sehr beeindruckend gesungen hat, nimmt sie ihre Stimme zugunsten eines kammermusikalischen Klangbilds zurück. Sie übersetzt die Poesie der vertonten Lyrik in sensible Melodielinien, die sich in die nach neuen Ufern strebenden harmonischen Entwicklungen nahtlos einfügen. Diese werden am Klavier von Juliane Ruf sehr feinfühlig und transparent und im allerbesten Gleichklang ergänzt und mitgetragen. Weil die beiden Künstlerinnen diese außergewöhnlichen Tongedichte in allen Feinheiten erfassen und verstehen, können sie diese Lieder so überzeugend gestalten. Ich wage die Vorhersage, dass diese Interpretation bald als Maßstab gelten wird!

Als Nachspiel bieten weitere Strauss'sche Blumenminiaturen Gelegenheit, der schönen Stimme und dem Ausdruckreichtum der beiden Künstlerinnen noch eine Weile zu lauschen. Am Ende erklingt mit den "Malven" das letzte Lied aus der Feder des Komponisten und bildet einen würdigen Abschluss der CD, die von Anfang bis Ende reinen Hörgenuss bietet.

 

Pressestimmen zu "Traumgekrönt"

IM ZEICHEN DER BLUMEN – Lieder von R. Strauss, A. Schönberg und A. Berg
Ingobert Waltenberger, Der Neue Merker

"... Als Opernsängerin bereits in Salzburg, an der MET und der Mailänder Scala etabliert, beweist Hanna-Elisabeth Müller auch beim Lied ein feines Gespür für das oft heikle Verhältnis von Wort und Ton, die richtige Balance für die Gratwanderung zwischen Klangschönheit und deklamatorischer Finesse. ..."
 

Richard Strauss, Alban Berg, Arnold Schönberg: „Traumgekrönt“ (Lieder)
Michael Wersin, Rondo Magazin, 24.06.2017

"... Die überwältigende Opulenz des Repertoires findet ihre Entsprechung im leuchtenden Glänzen der Sopranstimme von Hanna-Elisabeth Müller, die sich perfekt in die üppigen Kantilenen schmiegt – der kapriziöse Beginn von Strauss‘ „Ich wollt ein Sträusslein binden“ sei hier pars pro toto genannt. Juliane Ruf hat sich die satten angereicherten Akkordstrukturen dieser Lieder vollkommen zu eigen gemacht: Ihre Finger formen die Klänge zu sprachverwandt ausdrucksstarken Sinneinheiten, indem sie ihre einzelnen Töne mit nuancenreicher Differenziertheit unterschiedlich gewichten. ..."

Hanna-Elisabeth Müller singt Strauss, Berg und Schönberg
Annika Täuschel, BR Klassik, 30.06.2017

"... Auch den Liedern op. 2 von Schönberg und den Sieben frühen Liedern von Alban Berg begegnet Hanna-Elisabeth Müller mit einer begeisternden interpretatorischen Klarsicht: die Emotionen fließen, die Stimme kündet davon, ob dezent, verhalten, fast schüchtern, oder jugendlich, stürmisch, überschwänglich. Immer verständlich: der Text. Mitlesen im Booklet ein Kann, kein Muss bei dieser jungen Sopranistin. ..."
 

CD-Rezension Hanna-Elisabeth Müller – Traumgekrönt
Andreas Falentin, Concerti, 03.08.2017

"... Hanna-Elisabeth Müllers Singen besticht, in fast magischem Zusammenspiel mit der Pianistin Juliane Ruf, durch flexible Stimmführung, mühelose Tongebung und nuancierteste Sprachbehandlung ohne jede Überartikulation. Das sinnliche Timbre und die für einen Sopran ungewöhnlich große Textverständlichkeit, beispielhaft etwa in Schönbergs „Erwartung“, machen diese CD tatsächlich zu einer so unwirklichen wie intensiven Reise ins Land romantischer Träume mit fast überirdisch schönen Höhepunkten wie Richard Strauss’ berührende und mit frischem Humor daherkommende „Erwachte Rose“. ..."
 

Zwei Frauen, ein Produkt (über eine künstlerisch völlig eigenständige Produktion)
Stefan Dosch, Augsburger Allgemeine, 07.08.2017

"... Das Programm bestimmte sie – keine Opernschlager, sondern eine ausgefeilte Folge von Liedern; und nicht irgendeinen Klavierbegleiter zur Seite – sondern Juliane Ruf, mit der sie seit langem schon Liederabende gibt. Bedingungen einer jungen Sängerin, auf die sich offenbar niemand einlassen wollte. ..."
  

Welche schöne Stimme!
Alain Steffen, Pizzicato, 16.08.2017

"... Endlich zwei Musikerinnen, die sich trauen, ein Lied-Programm abseits des gängigen Repertoires zu erarbeiten und mit viel Hingabe und Musikalität auf CD zu bannen. Das ist ganz große Kunst und somit ein Muss für alle Freunde hochkarätiger Interpretationen und schöner Stimmen. Und ehrlich gesagt, in diesem Repertoire ist Hanna-Elisabeth Müller vielen prominenteren Kolleginnen um eine, wenn nicht um zwei Nasenlängen voraus. ..."
 

Traumgekrönte Sängerin (Audio-Reportage)
Elisabeth Hahn, hr2, 16.08.2017

"... diese Aufnahme ist ein gemeinsames Produkt der Sängerin mit ihrer vertrauten Pianistin Juliane Ruf. [...] Diese langjährige enge Zusammenarbeit hört man, denn das Duo musiziert wie aus einem Guss, was vor allem in den Sieben Frühen Liedern von Alban Berg eine Herausforderung ist. ..."
 

Traumgekrönt - Hanna-Elisabeth Müller singt Lieder
Michael Bastian Weiß, Abendzeitung, 04.09.2017

"... Dies ist schon jetzt eines der schönsten Liedalben dieses Jahres."
 

Töne pflücken wie Trauben
Wolfram Goertz, RP online (Rheinische Post), 20.09.2017

"Ihre weite, schöne Mittellage ist das Basislager, von der aus die Stimme alle Höhenflüge unternimmt, doch auch in die Tiefe geht es von diesem Fundament aus leichter. Nichts ist gepresst, nichts wirkt forciert. Sie singt, als müsse sie sich um die heikleren Fragen der Gesangstechnik keine Sekunde sorgen, und pflückt Töne ansonsten wie reife Trauben. Aber wir hören eben nicht nur eine wundervolle Stimme, sondern auch eine intelligente junge Frau, die in die Tiefen des Textes eindringt. Die uns, ihren Mitwissern, alles erzählt und doch die Geheimnisse des Liedes wahrt."
 

Wildes Blut
Wolfram Goertz, ZEIT online, 04.10.2017

"... Und eine Entdeckung bedeuten zweifellos die Lieder op. 2 des jungen Arnold Schönberg, Jahre vor dem Klimawandel in die Atonalität und Zwölftontechnik hinein komponiert. Hier fühlt sie sich heimisch, die wohlige, zuweilen auch giftige Süße liegt ihrer Stimme ausgezeichnet. Sie flutet diese Lieder mit Wohllaut, in der Höhe frei und ungefährdet, schillernd wie ein Opal in vielen Farben, nie gräulich oder gar klirrend eng."
 

Würdigung in der Bestenliste des deutschen Schallplattenpreises, 15.11.2017

Beim ersten Soloalbum treibt es die jungen Sänger oft zu den Repertoireschlagern. Es spricht für Hanna-Elisabeth Müller und ihre Klavierpartnerin Juliane Ruf, dass sie dieser Versuchung widerstehen. Sowohl das Strauss-Repertoire (und davon eher die Randzonen) wie auch Bergs "Sieben frühe Lieder" und Schönbergs frühe "Vier Lieder": Alles deuten sie mit großer Klarheit. Überhaupt definiert sich Müllers Kunst ex negativo: Nicht parfümiert, nicht zu schwärmerisch, nicht zu neckisch oder gefühlig klingt das, sondern mit reflektierter Emphase nachgezeichnet. Die Makellosigkeit der Tongebung, die Balanciertheit der Stimme bis in Extremlagen, die intelligente Dosierung von Kraft und Farben machen "Traumgekrönt" zu einem herausragenden CD-Debüt. (Für die Jury: Markus Thiel)