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Rezensionen

Traumgekrönt
Debüt-DC von Hanna-Elisabeth Müller
als Liedsängerin

 

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Rezension:

Traumgekrönt

Debüt-CD von Hanna-Elisabeth Müller als Liedsängerin

Penzberg, 16. Juni 2017

 

Einen Namen hat sich Hanna-Elisabeth Müller (geb. 1985) schon in jungen Jahren als aufsteigender Stern am Opernhimmel gemacht. Regelmäßig erntet sie an der Bayerischen Staatsoper begeisterten Applaus und hat auch schon im Salzburger Festspielhaus, an der Metropolitan Opera New York und an der Mailänder Scala umjubelte Erfolge gefeiert. Doch ihre neu erschienene Debüt-CD ist eine Liebeserklärung an die Liedkunst und, wie sie selbst sagt, eine Herzensangelegenheit.

Ein hochinteressantes Interview im Begleitheft zeigt auf, dass der Liedgesang der Schwerpunkt ihres Studiums war und die Grundlagen ihrer soliden Technik und vielseitigen Gesangskunst legte. Wie man aus den in 2015 vom SWR ausgestahlten Porträtsendungen weiß, beschäftigt sich die selbstkritische und nichts dem Zufall überlassende Künstlerin schon länger mit dem Projekt ihrer Debüt-CD. Nun hat sie ein Repertoire aufgenommen, das sie schon seit Jahren bei Liederabenden darbietet und das dabei im Kontakt mit dem Publikum gereift ist. Dabei wird sie ihrer Maxime, Text und Melodie gleichwertig zu betrachten und zu einem stimmigen Ganzen zusammenzuführen, mehr als gerecht.

In 75 min Spieldauer werden frühe Liederzyklen von Arnold Schönberg und Alban Berg in Strauss'sche Lieder mit Texten über Blumen eingebettet. Die CD beginnt mit den "Mädchenblumen" op. 22 von Richard Stauss. Mit diesem Zyklus, in dem Blumen mit unterschiedlichen Wesensarten von Mädchen verglichen werden, gibt sie mit klar geführten Melodiebögen ein musikalisches Selbstporträt. Mit der Warmherzigkeit der Kornblumen gelingt ihr etwa als Zdenka in Arabella von Richard Strauss das bewegende Rollenportrait eines sich liebevoll aufopfernden Mädchens. Wie die Mohnblume mit Temperament und Ausstrahlung erlebt man sie redegewandt und schlagfertig in Talks und Interviews. Das Efeu steht für die Treue, die sie z.B. seit Jahren ihrer zuverlässigen Klavierpartnerin Juliane Ruf hält und die in dieser CD schönste Früchte trägt. Und schließlich umgibt sie ebenso wie die Wasserrose ein Geheimnis: Wie kann es sein, dass sie glaubhaft versichert: "meine Stärke ist, dass ich ganz normal bin" und dann mit jedem Projekt Herausragendes leistet und das Publikum verzaubert und begeistert? "Wie sie singt, ist ein Wunder", sagte zu mir Přemysl Vojta, erster Preisträger beim ARD-Musikwettbewerb 2010. Er war Solohornist des WDR-Symphonieorchesters, als sie "Vier letzte Lieder" von Richard Strauss sang.

Nach "Georgine" und "Die Zeitlose", zwei weiteren ausdrucksstark vorgetragenen Blumenminiaturen von Richard Strauss, folgen vier Lieder von Arnold Schönberg op. 2. Diese noch im spätromantischen Klanggewand gehaltenen Lieder gestaltet Hanna-Elisabeth Müller mit der Klarheit, die sich Schönberg gewünscht und später mit seiner Zwölftontechtnik auch ganz offensiv gesucht hat. Unübertrefflich sauber intoniert und artikuliert sie und formt Bögen, die leise ansetzen und eine Spannung aufbauen, die den Zuhörer unmittelbar fesselt. Sehr schön wird dies von Juliane Ruf mitgetragen, die sich als gleichwertige Klavierpartnerin einbringt. So entsteht eine eindringliche Wirkung, der man sich nicht entziehen kann.

Als Intermezzo folgen vier Blumenminiaturen und "Waldseligkeit" von Richard Strauss. Hierbei bezaubert Hanna-Elisabeth Müller mit lyrischen Tönen. Wenn sie besondere Ruhe ausdrücken will, nimmt sie ihr ebenmäßiges Vibrato weit zurück, ohne dabei ihr feines, helles Timbre zu verlieren. Sie gestaltet auch bei den leisen Tönen mit einer großen dynamischen Bandbreite und behält die volle Strahlkraft ihrer Stimme ausgewählten Höhepunkten vor. So entstehen wunderbare Melodiebögen, die unmittelbar ins Herz sprechen.

Es folgt eine ausdrucksstarke Interpretation der "Sieben frühen Lieder" von Alban Berg. Hanna-Elisabeth Müller hat den Albumtitel diesem Zyklus entnommen und damit gezeigt, dass ihr diese Musik ein ganz besonderes Anliegen ist. Gegenüber der Orchesterfassung, die sie auch schon sehr beeindruckend gesungen hat, nimmt sie ihre Stimme zugunsten eines kammermusikalischen Klangbilds zurück. Sie übersetzt die Poesie der vertonten Lyrik in sensible Melodielinien, die sich in die nach neuen Ufern strebenden harmonischen Entwicklungen nahtlos einfügen. Diese werden am Klavier von Juliane Ruf sehr feinfühlig und transparent und im allerbesten Gleichklang mit dem Gesang gestaltet. Weil die beiden Künstlerinnen diese außergewöhnlichen Tongedichte in allen Feinheiten erfassen und verstehen, können sie diese Lieder so überzeugend gestalten. Ich wage die Vorhersage, dass diese Interpretation bald als Maßstab gelten wird!

Als Nachspiel bieten weitere Strauss'sche Blumenminiaturen Gelegenheit, der schönen Stimme und dem Ausdruckreichtum der beiden Künstlerinnen noch eine Weile zu lauschen. Am Ende erklingt mit den "Malven" das letzte Lied aus der Feder des Komponisten und bildet einen würdigen Abschluss der CD, die von Anfang bis Ende reinen Hörgenuss bietet.